Würzburger Sängerverein feiert Jubiläum auf ungewöhnliche Weise
Ob der Würzburger Stadtkämmerer Valentin Eduard Becker wohl gehofft hat, dass sein 1847 gegründeter Männer-Gesangverein eines Tages auf eine derart lange Geschichte zurückblicken würde? Wer weiß! - Ob er sich in seinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können, dass dieses 175. Jubiläum der Vereinsgründung in einem Parkhaus gefeiert werden würde? Sicherlich nicht! Diese kühne Idee irritierte bis zuletzt einige Vereinsmitglieder nachhaltig, wie die Vorsitzende des Vereins, Maria Kleyer, weiß. Doch ganz bewusst entschieden sich Vorstand und Festausschuss für diese ungewöhnliche und pragmatische Lösung, die letztendlich auch die größten Skeptiker begeisterte.
Am Sonntag, den 17. Juli, war es so weit: Viele Hände packten mit an und verwandelten das Parkhaus am Hauger Kirchplatz in eine großartige Fest-Location. Drei Ebenen, auf denen sonst Autos parken, und sogar eine Dachterrasse boten dem Vereinsjubiläum eine aparte Bühne. Geladene Gäste, Ehrengäste, eingeladene Familienmitglieder und Freunde der Mitglieder des Würzburger Sängervereins sowie die Sängerinnen und Sänger der zwei Gastchöre stiegen über die Auffahrrampen Stockwerk für Stockwerk empor, bevor sich ihnen der einladende "Meet & Greet"-Bereich eröffnete. Hier war sicherlich so mancher Gast überrascht: Zahlreiche Konzert-Plakate aus den letzten Jahren zierten die Wände. Mit weißen Tischdecken und Sommerblumen geschmückte Tischgruppen luden zum Verweilen ein, eine Vielzahl bunter Lampen zauberten eine angenehme Atmosphäre und auch für das leibliche Wohl war reichhaltig gesorgt. Wer hätte gedacht, dass ein Parkhaus so einladend sein kann!?
Ein Stockwerk höher präsentierte der Verein eine Ausstellung zur Historie und Gegenwart, immer die wechselvolle und spannende Geschichte genauso im Blick wie auch die Vielfalt des Vereins heute. Dieses "Zwischengeschoss" auf dem Weg zur Vortragsbühne bot reichlich Gelegenheit, sich zu informieren, ins Gespräch zu kommen sowie auch die Jubiläumsfestschrift oder Konzertkarten für die Aufführung von Karl Jenkins " A Mass for Peace" am 31. Juli zu erwerben.
Ganz oben schließlich hatte der Verein die Konzertbühne bereitet; dort fand der eigentliche Festakt statt: Als Gastredner konnte die Vorsitzende Maria Kleyer und der ehemalige Kulturamtsleiter der Stadt Würzburg Johannes Engels, der durchs Programm führte, die ehemalige bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Eva-Maria Linsenbreder, Landrat Thomas Ebert und eine Abordnung des Fränkischen Sängerbundes begrüßen. Ganz bewusst hatte der WSV die Honoratioren um knackig kurze Grußwörter gebeten - der Fokus des nachmittäglichen Festaktes lag ganz klar auf der Musik und dem Austausch. Daher wurden die beiden Programmblöcke des offiziellen Teils auch von insgesamt zehn Musikbeiträgen der beteiligten Chöre umrahmt; der Valentin-Becker-Chor eröffnete mit der eigens für das Jubiläum komponierten "Jubelhymne" von Chorleiter Rudolf W. Haidu und steuerte noch eine neugesetzte Komposition vom Vereinsgründer Valentin Becker bei. Der Simon-Breu-Chor als zweiter Chor des WSV spannte einen weiten Bogen von John Rutter bis hin zum eingängigen Volkslied, welches den reiferen Stimmen der Chormitglieder sichtlich entgegenkam. Im zweiten Teil beeindruckte das Vocalensemble Würzburg mit feinen Klängen und zarten Nuancen das Publikum, bevor der Popchor "Sotto voce" mit Schwung und Harmonie begeisterte.
Die rundum gelungene Jubiläumsfeier im Parkhaus stellt einen neuen Höhepunkt in der langen Geschichte des Würzburger Sängervereins dar und zeigt wieder einmal eindrucksvoll die gute Stimmung und das hervorragende Gemeinschaftsgefühl in diesem Verein auf. Mit vielen neuen jungen Chormitgliedern kann der älteste noch existierende Sängerverein Würzburgs ohne Nachwuchssorgen hoffnungsvoll in eine lebendige, dynamische Zukunft schauen.
(Michaela Kraus und Christian Klotzky)
