Blumige Sommerserenade des Valentin-Becker-Chores am 14. Juli 2024

Der VBC begeistert mit Open-Air-Konzert am Hubland

 

Es ist bereits eine kleine Tradition: Seit einigen Jahren findet das jährliche Sommerkonzert des Valentin-Becker Chors an der THWS am Hubland statt. In diesem Jahr präsentierte der Konzertchor des Würzburger Sängervereins ein blumiges Programm – von der Renaissance bis in die Romantik waren Stücke mit unterschiedlichen Facetten zu hören. 

Den Auftakt bildete das „Waldlied“ des Namensgebers des Chores Valentin Becker. A cappella und auswendig trugen die gut 70 Sängerinnen und Sänger den romantischen Chorsatz vor und eröffneten so die musikalische Soiree. Die heitere und verträumte Stimmung führten die beiden Gesangssolisten Amélie Kraus (Sopran) und Marcel Hubner (Tenor) weiter: Von Felix Mendelssohn war „Der Blumenstrauß“ zu hören, von Franz Schubert „Des Müllers Blumen“. Begleitet wurden beide jeweils von der virtuosen Pianistin Jieun Baeck am Klavier. Zart tupfend und fein spann der Chor den Blumenreigen schließlich mit „Die Wasserrose“ von Nils W. Gade fort – und zog das Publikum in den Bann der harmonisch anspruchsvollen Komposition.

Mit Anton Bruckners weltlichem Werk „Vergissmeinnicht“ verweilte der Chor gemeinsam mit den Solisten weiter im klangüppigen 19. Jahrhundert; nun allerdings zeigten die namensgebenden Blumen eine andere Facette: Die kleine dramatische Kantate Bruckners, dessen 200. Geburtstag dieses Jahr in vielen Konzertprogrammen gedacht wird, handelt zunächst von leuchtenden Blumenwiesen und einer Mutter, die mit ihrem Knaben die Idylle genießt. Der Kleine tollt durch die Wiese, um Blumen zu sammeln und schlummert schließlich ein. Unbemerkt nähert sich eine giftige Schlange und als die Mutter ihr Kind sucht, hält der bereits tote Junge ein Vergissmeinnicht in der Hand.  Das Publikum zeigte sich vor allem nach dem fulminant achtstimmigen, getragenen Schlusschor des Werkes sichtlich gerührt.

Es folgte Mendelssohns berühmtes Duett „Ach wie so bald“ (Herbstlied) welches, ebenso wie das darauf vom Chor intonierte „Alles Fleisch ist wie Gras“ von Johann A. Hiller, die Blumen als Zeichen der Vergänglichkeit und Endlichkeit menschlichen Lebens weiter ausdeutete.

Eine mystische Stimmung beschwor Tenor Marcel Hubner mit Robert Schumanns „Am leuchtenden Sommermorgen“. Mit zartester Stimme entrückte er die Zuhörerschaft in sphärische Klänge und verzauberte das Auditorium mit stimmlicher Eleganz und Schlichtheit. Mit Leonard Lechners Vertonung des Hoheliedes „Ich bin ein Blumen“ aus der Bibel folgte eine weitere Deutungsmöglichkeit: Hier bildeten die Blumen eine metaphorisch eingesetzte Allegorie auf die Liebenden. Mit diesem Stück betrat der stilistisch vielseitige Chor die Klangwelt der Renaissance und bildete so einen spannenden Kontrast zu den bereits gehörten Blumenstücken aus der Romantik. 

Klassisch wurde es gegen Ende des Konzerts noch einmal: Amélie Kraus brachte zunächst dem Publikum noch Wolfgang Amadeus Mozarts tanzende „Veilchen“ mit, bevor am Ende des Konzertes alle Akteure gemeinsam die Uraufführung des Stückes „Die Blumen“ von Rudolf W. Haidu bestritten. Das auf dem gleichnamigen Gedicht Friedrich Schillers basierende Werk Haidus rekurrierte melodiös auf Beethoven als Vorbild, garnierte seine Kadenzen jedoch mit mendelssohnscher Harmonik und Modulationskunst. Das dreiteilige Stück erfreute das Publikum sichtlich durch seine eingängigen Themen, die schnell wechselnden Solo- und Tuttiabschnitte sowie die virtuosen Solistenparts vor allem am Ende. Jieun Baek meisterte den anspruchsvollen Klavierpart des Werkes bravourös. Mit viel Applaus bedachte das Publikum das Konzertprogramm und erstritt sich zwei Zugaben, die der Valentin-Becker-Chor gerne gewährte.